Wirtschaft im September 2021

Mittelstand aktuell

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Wenige Wochen vor der Bundestagswahl ist unklar, ob der erhoffte Aufschwung nach Corona einsetzt. Während in einigen Ländern wie Großbritannien, Dänemark und den Niederlanden die Normalität eingeläutet wird, bleibt die politische Lage in Deutschland unsicher. Für den Mittelstand ist es daher wichtig, wesentliche Entwicklungen zu kennen.

  • Überbrückungshilfe III Plus: Noch ist nicht entschieden, ob die Corona-Förderung aus diesem Programm bis zum 31.12.2021 verlängert wird. Wirtschaftsminister Peter Altmaier soll sich nach Medienberichten zumindest dafür stark machen. Bis zum 24.8. haben bereits 375.000 Unternehmen Überbrückungshilfe beantragt. 87 Prozent davon wurden mit insgesamt 24 Mrd. Euro bewilligt. Ausgezahlt wurden 18 Mrd. Euro. Anträge können nach derzeitigem Stand noch bis zum 31.12.2021 eingereicht werden.
  • Erlöseinbußen: Nach Angaben der KfW sind im Frühsommer von den 3,8 Mio. mittelständischen Betrieben in Deutschland rund 40 Prozent von den Corona-Folgen besonders betroffen. 2020 waren es noch 66 Prozent. 24 Prozent verzeichneten einen Rückgang ihres Eigenkapitals. Besonders leiden mussten kleine Unternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten. Dagegen verzeichnen die DAX-Unternehmen Rekordgewinne.
  • Preissteigerungen: Nach einer aktuellen DIHK-Umfrage klagen 83 Prozent der 3.000 befragten Unternehmen über Preissteigerungen und Lieferprobleme. Mangelware sind nach wie vor Halbleiter, Stahl, Aluminium, Kupfer, Holz und Verpackungen. 53 Prozent der Befragten rechnen nicht mit einer schnellen Besserung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stiegen die Importpreise z. B. für Rohstoffe im Juni gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent. Das ist der höchste Anstieg seit der zweiten Ölkrise 1981. Kein Wunder, dass in Deutschland die Erzeugerpreise im Juli ebenfalls stark gestiegen sind, und zwar um 10,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 67 Prozent der in der DIHK-Studie befragten Unternehmen wollen daher diese Preiserhöhungen an ihre Kunden weitergeben. Es ist daher zu erwarten, dass die Verbraucherpreise von 3,8 Prozent nicht nur temporär weiter steigen werden. Die steigenden Lohnkosten in China und auch bei uns werden diesen Effekt weiter verstärken (Lohn-Preis-Spirale).
  • Export: Deutschlands Wirtschaft hat in den letzten Jahren vor allem vom Export in die EU sowie nach China und in die USA gelebt. Doch nun holen die chinesischen Unternehmen auf und überholen Deutschland in der Kernbranche „Maschinenbau“. China will nicht mehr nur Billigprodukte herstellen, sondern auch anspruchsvolle Industrieware. Nach Angaben des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) beträgt ihr Anteil bereits knapp 70 Prozent am chinesischen Export. Viele Mittelständler klagen gleichzeitig über unfaire Praktiken. So ist es für deutsche Fachkräfte aufgrund der strikten Corona- und Quarantäne-Regeln zunehmend schwieriger, nach China ein- und wieder auszureisen.
  • Geschäftsklima: Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen trübt sich der ifo-Geschäftsklimaindex im August ein. Er sinkt von 100,7 auf 99,4. Getragen wird der zu erwartende leichte Aufschwung im zweiten Quartal 2021 von 1,6 Prozent vor allem durch den Binnenmarkt. Die Menschen haben einen großen Konsumnachholbedarf und verreisen innerhalb Deutschlands. Ein Großteil des deutschen BIP-Wachstums basiert auf den explodierenden Erlösen von Biontech. Der Impfstoffhersteller erwartet für 2021 ein Umsatz von 16 Mrd. Euro. Gegenüber dem Vorjahresumsatz von 480 Mio. Euro ist das ein Plus von 15,5 Mrd. Euro. Das sind dann rein rechnerisch 0,46 Prozent von 3,367 Billionen Euro, dem deutschen Bruttoinlandsprodukt 2020.
  • Staatshaushalt: Die Bundesregierung versucht durch Förder- und Konjunkturprogramme und zunehmende staatliche Intervention dagegenzuhalten. Das lässt die deutsche Staatsverschuldung weiter ansteigen. Im ersten Halbjahr 2021 betrug das Haushaltsloch 80,9 Mrd. Euro. Das ist das zweithöchste Defizit nach der Wiedervereinigung. Die Gesamtverschuldung der öffentlichen Hand beträgt damit in Deutschland bereits 2,2 Billionen Euro. Unter Einbeziehung der impliziten Schulden aus Pensionsansprüchen liegt die wahre Verschuldung laut Prof. Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg bereits über 14 Billionen Euro.

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