Aktuelles Stimmungsbild

Herausforderungen im Mittelstand

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Die DZ Bank ist in ihrer „Mittelstandsumfrage Frühjahr 2021“ zu interessanten Ergebnissen gekommen. Die Studie, die seit 1995 zweimal jährlich gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken durchgeführt wird, basiert auf Telefoninterviews mit 1.000 Inhabern, Geschäftsführern und leitenden Angestellten mittelständischer Unternehmen.

Die Top-5-Herausforderungen aus Sicht der befragten Entscheider sind: Bürokratie (80 %), Fachkräftemangel (73 %), Corona-Krise (62 %), Rohstoffpreise (58 %) und Energiekosten (51 %).

Auf den Plätzen 6 bis 10 folgen dann: Lohn- und Gehaltskosten, Steuerbelastung, Konkurrenzsituation, Auftragslage und Zahlungsmoral der Kunden.

1. Bürokratie

Viele Mittelständler sind mit der bürokratischen Handhabung der Corona-Hilfen unzufrieden. Doch nicht nur damit. Neue Regelungen wie das Lieferkettengesetz oder Umweltauflagen belasten vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen, die nicht über Spezialabteilungen verfügen, um alle Gesetzesanforderungen überwachen und erfüllen zu können.

2. Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel ist besonders stark im Gastgewerbe, wo im Corona-Lockdown über 100.000 Beschäftigte in andere Branchen abgewandert sind, in der Baubranche sowie in der Chemie-, Kunststoff- und Elektroindustrie. Der Druck auf die Löhne und Gehälter wird daher in den nächsten Monaten zunehmen.

3. Corona-Krise

Die vom Lockdown betroffenen Branchen erholen sich nach den behutsamen Öffnungen im Mai nur allmählich. Die aus Sicherheitsgründen begrenzten Kapazitäten und entstehenden Wartezeiten in der Gastronomie und Kulturbranche, im Einzelhandel und bei vielen anderen Dienstleistern verknappen das Angebot. Baubranche und Industrieunternehmen kämpfen mit weltweiten Lieferengpässen.

4. Rohstoffpreise

Die Sorge um die steigenden Rohstoff- und Materialpreise verzeichnete den größten Anstieg seit der letzten Herbstumfrage. 58 % sehen das als akutes Problem. In der Chemie- und Kunststoffindustrie sind die steigenden Rohstoffpreise und höheren Transportkosten sogar das größte Problemfeld.

5. Energiekosten

Am stärksten betroffen sind nach der DZ-Studie die Ernährungs-, Agrar- und Chemiebranche. Die CO2-Abgabe wird die deutschen Energiekosten im internationalen Vergleich weiter erhöhen.

Alle fünf Punkte führen zu einem Anstieg der Kosten von mittelständischen Unternehmen. Daher planen immer mehr Mittelständler eine Anhebung ihrer Absatzpreise. 36 % wollen auf jeden Fall erhöhen. Nur 6 % rechnen mit Preissenkungen.

Trotz dieser Entwicklungen erholt sich die Stimmung im deutschen Mittelstand weiter. Der Saldo der Erwartungen für das nächste halbe Jahr erreicht den langjährigen Mittelwert. Auch die Investitionsneigung nimmt spürbar zu. 77 % der Befragten wollen in den nächsten sechs Monaten in ihr Unternehmen investieren.

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