Perspektiven für den Mittelstand

Zinsentwicklung

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Nach den jüngsten Verlautbarungen der EZB scheinen die kurz- und langfristigen Zinssätze trotz steigender Inflationsrate auf den historischen Tiefstständen zu bleiben. Für Unternehmerinnen und Unternehmer ergeben sich daraus in den nächsten Monaten Risiken, aber auch Chancen. So wird es sich wohl nicht vermeiden lassen, dass auf Privat- und Firmenkonten für Guthaben oberhalb von bestimmten Freigrenzen ein Verwahrentgelt in Rechnung gestellt wird, da auch Banken bei der EZB mit Minuszinsen belastet werden, sie aber vor allem die sinkenden Zinsen im Kreditgeschäft an die Kunden weitergeben. Zum anderen ergeben sich aber günstige Finanzierungsmöglichkeiten für Investitionen, die Sie nutzen sollten.

Ökonomischer Hintergrund

Seit über 10 Jahren sind die Zinssätze im Euroraum auf Talfahrt. Die EZB beeinflusst diese Entwicklung maßgeblich durch massive Aufkäufe von Staatsanleihen, die die Euroländer emittieren. Sie finanziert dadurch die Staaten im Euroraum, obwohl eine monetäre Finanzierung eigentlich in den Maastrichter Verträgen ausgeschlossen wurde. In den USA agiert die Federal Reserve (Fed) ähnlich. Die Corona-Krise hat die Praktik der lockeren Geldpolitik (Quantitative Easing) verstärkt. Mittlerweile liegen die Zinssätze der Staatsanleihen selbst von Griechenland, Portugal, Spanien und Italien nahe dem Nullpunkt. Deutschland bekommt sogar Geld für Schulden.

Mit der Nullzinspolitik hat sich die EZB inzwischen in eine Sackgasse manövriert. Eigentlich müsste sie die Geldvermehrung durch Anleihenkäufe reduzieren und die Leitzinsen wieder anheben, um die derzeit höheren Inflationsraten zu begrenzen. Das kann sie jedoch nicht so einfach, weil dann vor allem die hoch verschuldeten Südländer im Euroraum in finanzielle Schwierigkeiten kämen. Außerdem, so scheint es, ist eine moderate Inflation von den Regierungen durchaus gewünscht, um so auch die eigenen Staatsschulden abzutragen. Ein dauerhafter Minuszins ist für unsere Gesellschaft und Wirtschaft nicht gut. Der Zins ist in einer Marktwirtschaft – wie jeder Preis – ein wichtiges Regulativ, um Fehlallokationen von Investitionen zu vermeiden.

Das können Sie tun

  • Verwahrentgelt vermeiden: Sorgen Sie zunächst durch Ihr internes Cash-Management dafür, dass Sie bei Ihren einzelnen Konten unter den jeweils aktuellen Freigrenzen bleiben und Ihre Liquidität möglichst präzise planen. Legen Sie überschüssiges Geld z. B. in  speziellen Liquiditätsanlagen an. Bezahlen Sie Ihre Lieferanten schnell, auch um mögliche Skonti auszunutzen. Liquiditätspolster auf Kontokorrentkonten lassen sich jedoch nicht ganz vermeiden, um eine jederzeitige Zahlungsbereitschaft zu gewährleisten. Minuszinsen sind dann eine Art Versicherungsprämie.
  • Niedrigzinsen nutzen: Wenn Sie wirtschaftlich gut durch die Corona-Krise gekommen sind und auch Ihre Perspektiven positiv einschätzen, dann nutzen Sie die historisch niedrigen Zinssätze für die Finanzierung Ihrer Wachstumsstrategie. Investieren Sie in Ihre Digitalisierung, in smarte und nachhaltige (ressourcenschonende) Prozesse, Produkte und Dienstleistungen. Auch die Übernahme von Unternehmen könnte in der Corona-Krise eine Option sein. Neben den klassischen Bankkrediten gibt es im Augenblick interessante öffentliche Förderprogramme des Bundes, der Länder und der EU.

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