Forderungen eintreiben

Verjährungsfristen prüfen

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Jährlich gehen Unternehmen Millionenbeträge durch nicht eingehaltene Verjährungsfristen verloren. Denn nach Ablauf der Frist kann der Schuldner die Zahlung verweigern. Der Gläubiger kann seine Ansprüche nicht mehr gerichtlich geltend machen. Daher lohnt es sich, jetzt den Forderungsbestand zu prüfen. Mit Ablauf des 31.12.2020 verjähren in der Regel die Forderungen aus dem Jahr 2017. Es gibt aber Möglichkeiten, die drohende Verjährung zu verhindern.

Mahnung reicht nicht

Eine einfache Mahnung, ob schriftlich oder mündlich ausgesprochen, verhindert die Verjährung nicht, selbst wenn sie schriftlich oder in Form eines eingeschriebenen Briefes erfolgt. Vor allem wenn die Zeit drängt, kann die Zustellung eines gerichtlichen Mahnbescheids sinnvoll sein.

Mittlerweile können Mahnbescheide relativ zwar einfach online und ohne Anwalt beantragt werden, aber Fehler in der Antragstellung führen zu sogenannter Monierung und der Antrag kommt solange zum Gläubiger zurück, bis alles korrekt ist. Damit der Mahnbescheid noch rechtzeitig dem Schuldner zugestellt werden kann, darf er keine Fehler oder Lücken aufweisen. Die Forderung muss exakt beschrieben sein.

Alle Anträge, die bei den Mahngerichten bis zum 31.12. eingehen, unterbrechen die Verjährungsfrist, die üblicherweise drei Jahre dauert. Sie gilt für alle Ansprüche des täglichen Lebens, die nicht anderweitig geregelt sind, zum Beispiel Ansprüche aus Kaufpreis- oder Mietzahlungen. Am 31.12.2020 verjähren somit Forderungen aus 2017.

Eine weitere Möglichkeit ist die Klage. Sie ist vergleichsweise aufwendig und teuer. Ab einer Summe von 5.000 Euro muss ein Anwalt beauftragt werden.

Wer nicht den Rechtsweg beschreiten möchte, kann mit seinem Schuldner auch außergerichtlich nach einer einvernehmlichen Lösung suchen. Aus Beweisgründen sollten Sie von Ihrem Schuldner eine schriftliche Erklärung einfordern, dass für die Zeit der Gespräche die Verjährungsfrist nicht weiterlaufen soll. Sie beginnt erst weiter, wenn die Gespräche beendet sind.

Diese Verjährungsfristen sollten Sie kennen

  • 3 Jahre - diese regelmäßige Verjährungsfrist (§ 195 BGB) gilt grundsätzlich für alle Ansprüche des täglichen Lebens: Kaufpreiszahlung, Mietzahlung, Werklohn, Zinsansprüche. Die Frist beginnt am Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger Kenntnis erhielt.
  • 30 Jahre - bei Herausgabeansprüchen aus Eigentum und anderen dinglichen Rechten, Familien- und erbrechtlichen Ansprüchen, rechtskräftig festgestellten Ansprüchen (titulierten Ansprüchen), Ansprüchen aus vollstreckbaren Vergleichen oder vollstreckbaren Urkunden, Ansprüchen, die durch die im Insolvenzverfahren erfolgte Feststellung vollstreckbar geworden sind. Die Frist beginnt Tag genau ab Anspruchsentstehung. Der Anspruch verjährt dann in 30 Jahren auf den Tag genau und nicht erst zum Ende des Jahres.

Sonstige Fristen

  • 6 Monate - bei Ersatzansprüchen zum Beispiel aus Miete und Leihe wegen Veränderung/Verschlechterung der Sache, beginnend ab Rückerhalt der Sache.
  • 1 Jahr - ab Ablieferung der Ware bei Fracht- und Speditionskosten.
  • 2 Jahre - ab Ablieferung / Abnahme bei kauf- und werkvertraglichen Mängelansprüchen.
  • 5 Jahre - bei Mängelansprüchen bei Bauwerken und eingebauten mangelhaften Sachen ab Übergabe / Abnahme.
  • 10 Jahre - bei Ansprüchen, die sich auf Rechte an Grundstücken richten.

Ihr Ansprechpartner

Dipl.-Ökonom Dr. Michael A. Peschke

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